Müßiggang ist aller Lüste Anfang

GZ 265
Von: Dischner, Gisela
Grüne Kraft, Neuauflage 2016, 60S. m. Abb., kart.

Artikelnummer: GZ 265

ISBN: 978-3-925817-14-4

5,00 €

Reflexionen über die Möglichkeiten einer zukünftigen Gesellschaft, in welcher der Müßiggang nicht ein Privileg nach Feierabend sein würde, sondern allen Menschen zugänglich: Die Arbeit wird sich durch die ‘Revolution der Mikroprozessoren’ (André Gorz) auf ein Minimum beschränken. Der Zustand, in dem die Arbeitssuche selbst zu einer Arbeit wird, könnte bei gerechter Verteilung der Arbeit aufgelöst werden...

Leseprobe:
Ich lese am liebsten im Liegen. Das kommt mir gelegen. Gelegentlich lese ich auch im Sitzen. Aber dann mit einem Polsterschemel, auf dem meine Füße ruhen können. Die Lage ist entscheidend für den Genuß. Ich erkenne die Lage. Wir befinden uns in einer Lage, die meist genußfeindlich ist. Mein Körper entwickelt Gegenstrategien. In einer genußfeindlichen Lage begehrt er auf, stört mich bei dem Versuch, meine Alltagslage vergessend in die andere Welt zu schlüpfen: Die Lesewelt.
Die Welt der Fiktionen? Alle Dichter lügen? Flucht aus der Wirklichkeit? Aus welcher Wirklichkeit? Was ist wirklich? Ich lese einen Dichter. Der Dichter ist wirklich, wenn ich ihn wirklich lese. Lese ich ihn wirklich? Lasse ich mich nicht ablenken von der genußfeindlichen Lage einer Zeit, in der keine Zeit ist, weil Zeit angeblich Geld ist? Ich nehme mir Zeit für einen Dichter. Ich stehle mir nicht die Zeit, ich nehme sie. Ich bin in einer anderen Zeit. Der Zeit der Lesung.
Roland Barthes wünscht sich einen aristokratischen Leser. Ich melde mich. Hier bin ich. Lego ergo sum. Bin ich? Wer bin ich, wenn ich lese? Ich werde. Ich werde entführt. Mein Aggregatzustand verändert sich. Ich fließe in den Text. Der Text fließt in mich. Ich werde Wort. Das Wort wird Ich. Ich schmecke die Worte ab. Ein köstliches Gericht: dieser Text. Was mir nicht schmeckt, lese ich nicht mehr. Ich nehme mir keine Zeit für schlechten Wortsalat. Mein Geschmack verfeinert sich an der Feinheit eines Textes. Weshalb soll ich mir noch sekundärtertiärliterarische Büchsennahrung zumuten, die mir sofort den Appetit verdirbt. Zu den Quellen! Was nicht quillt, macht mich nicht an. Es geht nicht um Inhalte. Die besten Rohmaterialien. können, schlecht zubereitet, den Appetit verderben.



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