‚Drogen-Legalisierung‘ ?

Dieser Tage taucht in den Medien (sowohl in D. wie auch GB und USA) inflationär das Thema ‚Drogen-Legalisierung‘ auf. Der Begriff ist verwirrend, denn er bezieht sich in der derzeitigen Debatte nicht auf das Recht des Genusses von psychoaktiven Substanzen, obwohl die meisten unbedarften Leser diesen Eindruck vermittelt bekommen.

Grundsätzlich: Der Konsum von Psychoaktiva war und ist bei uns nicht illegal, nur der Besitz und Handel. Dieser Tage las ich „Es ist vermutlich gar nicht mehr die Frage, ob Cannabis auch in D. toleriert wird. Sondern nur noch, wann und wie.“ Falls es zügig zu einer Legalisierung des Handels psychoaktiver Substanzen kommen sollte, bleibt wohl nicht genügend Zeit, sich wirklich darauf vorzubereiten. Auf dem heutigen Stand der Entwicklung würde ich sagen, daß das Saatgut dieser Pflanzen nach einer Handels-Legalisierung von Monsanto kommen und in profitorientierten ‚Fachgeschäften‘, notfalls in Apotheken angeboten werden. Dafür wirds TTIP schon sorgen. Da gehts dann nur noch um Konsum & Profit – nicht mehr um Selbsterfahrung und Steigerung der Lebensqualität.

Kreativer Genuß psychoaktiver Substanzen wie Cannabis oder LSD baut auf Lebenserfahrung(en) auf … und verbessert so die Lebensqualität. Eine durchdachte Legalisierung – angefangen mit rauschkundigen Volkshochschul-Kursen sowie ‚Drogen-Führerscheinen‘ für Rentner – könnte auch für Glaubwürdigkeit sorgen. Diese braucht es in der Aufklärung der Jugend, denn für diese kann z.B. Cannabis-Genuß durchaus negative Folgen haben. Schlummernde Psychosen können geweckt werden, ebenso wie psychoaktive Substanzen in jungen Gehirnen, die noch in ihrer Entwicklungsphase sind, grundlegende Verwirrung anrichten können, unter denen der Gehirnbesitzer noch Jahre zu leiden hat. Die Forschung geht davon aus, daß 9% der Cannabis-Konsumenten süchtig werden. Beim Alkohol sind es gute 15%. Die Suchtrate erhöht sich jedoch, wenn der Konsum schon im Teenagealter begann. 1% der Bevölkerung leidet unter Schizophrenie, die auch durch Cannabis ausgelöst werden kann. Wenn dies im Alter von 15 geschieht, ist sie – im Gegensatz zur Erkrankung im späteren Leben – kaum heilbar.

Eine Legalisierung ohne eine wirklich durchdachte Vorbereitung & Strategie – sowohl des Anbaus, der Handelsstrukturen und der Abgabe an die Konsumenten – bedeutet vor allem den Verlust der traditionellen wie heutigen Drogen-Kultur. Das fängt z.B. beim traditionellen Hanf-Anbau in Afghanistan, Jamaika und Marokko etc. an, und hört im eigenen Wohnzimmer auf. D.h. man wird sich sein Dope nicht mehr bei einem Freund, einem Dealer des Vertrauens besorgen können, der mutig seine Existenz gefährdend einen vertrauenswürdigen Kreis von Menschen mit dem versorgt, was es nach einer Legalisierung wahrscheinlich nur noch in ‚Fachgeschäften‘, die allein auf Gewinnmaximierung aus sind, zu erstehen gibt. Gezüchtet in mehrstöckigen Glashäusern mit Kunstlicht, fern ihrer ursprünglichen sonnigen Heimat? In einigen Bundesstaaten der USA wird sowas bei Cannabis ja gerade vorgemacht.

Von negativen Folgen der Legalisierung in Colorado etc. hört man bislang wenig. Ausnahme: da aus Raucher-Paranoia Cannabis auch in Schokolade und Hanf-Drinks angeboten wird kommt es vermehrt zu Überdosierungen, da die Konsumenten keine Geduld haben, 30 min zu warten, bis die Wirkung bei oralem Genuß einsetzt. Dabei enthält eine Flasche ‚Cannabis Quelcher‘ so viel Wirkstoff wie 6 Joints. Schokoladen-Riegel aus FairTrade-Schokolade und 180mg THC kosten 20$; inzwischen gibt es auch OlivenÖl, Tee, Kokosnußbutter u.a.m. mit Cannabis-Anteilen.

In Colorado spricht man inzwischen, nein, nicht von der ‚Grünen Kraft‘, sondern vom finanziellen ‚GrünRausch‘, der ein Enkelkind des Gold-Rausches vergangener Zeiten sei. Eine Anbau-Industrie boomt, bald wird man weder zum Anpflanzen, noch zur Ernte und Verarbeitung Menschen brauchen. Schon heute bekommt dort jede einzelne Pflanze seinen individuellen RFID-Code. … demnächst kannst Du dann auf Deiner eWatch prüfen, wie stoned Du bist …

Die Umsätze explodieren. Vor vier Jahren fanden die Veranstalter in Chicago keinen Veranstaltungsort für ihre geplante Konferenz übers Cannabis-Business. In diesem Jahr trafen sich 2103 Teilnehmer im lgendären Hilton Chicago (in dem seit 1927 jeder US-Präsident abgestiegen ist).
In der dortigen Cannabis-Industrie arbeiten derzeit 60.000 Menschen und erzeugen einen Umsatz von 10 Milliarden $, obwohl der Hanfgenuß erst in 5 Bundestaaten legalisiert ist.
Die Legalisierung wird so wohl nicht aus Überzeugung geschehen, sondern aus der ganz normalen Raffgier des Kapitalismus. Oder hast Du bislang in einer Legalisierungs-Debatte schonmal die Forderung nach einer Amnestierung aller inhaftierten Dealer gehört? Jene, die für eine Verbreitung dieser Substanzen ihre eigene Freiheit riskiert haben, sollten doch rehabilitiert und belohnt werden, wenn diese Substanzen – auch durch ihre Vorarbeit – legal werden, oder. Haftentschädigungen und eine Ehrenrente.

Statt dessen fordern inzwischen nicht nur die Grünen und Linken, sondern auch die KapitalismusFreunde der FDP eine ‚Legalisierung‘ – ohne daß bislang ein praktikables Abgabesystem existiert. Hast Du da konkrete Vorschläge? Wichtig: jeder Verkäufer sollte seine Ware kennen, d.h. selbst genossen & erlebt haben.

Der Staat würde, so dieser Tage Herr Pfeiffer von der CDU, bis zu 2 Milliarden Euro für die Drogenstrafverfolgung ‚sparen‘ & genausoviel an zusätzlichen ‚grünen‘ Steuern einnehmen. Dabei übersah oder verschwieg er, daß dann tausende von Polizisten, Strafverfolgern & Richtern arbeitslos würden, und ein Großteil der Gefängnisse schließen ‚müßten‘ – in den USA 80% der Gefängnisse.

Man könnte auch offiziell schon sehr viel mehr über die positiven Seiten des Genusses von psychoaktiven Substanzen wissen – doch lange Zeit untersuchten Wissenschaftler einseitig nur die negativen Folgen derselben. Die vorgegebene Programmierung nahm schamlose Züge an. Barry McCaffrey, der Drogenzar Clintons, war über die positiven Forschungs-Ergebnisse des Institute for Medicin so empört, daß er die Presse ob der Ergebnisse belog. Nach wie vor sind die USA führend in der Erforschung von negativen Aspekten, ebenso wie Israel führend in der Erforschung von positiven Folgen des Cannabis-Konsums sind. In Kanada steht derzeit die erste große Untersuchung über den Einsatz von Cannabis bei Veteranen von Militär und Polizei an, die unter PTSD leiden. Ich selber bekam 1985 als Versuchskaninchen legaler Hirnforschung LSD gespritzt und konnte betrippt meine Gehirnströme auf einem Monitor beobachten …

Entgegen der allgemeinen Gerüchte wurde der ‚War on drugs‘ nicht von den US-Amis erfunden, sondern von den Nazi-Adolfs, Hanf war damals kein ‚Heil‘-Mittel. Ihre Begründung: „Der Dealer ist Jude und der will unser gutes Deutsches Blut verunreinigen“. DAS war der ursprüngliche Grund für den heutigen weltweiten war-on-drugs. Der US-DrogenParanoiker Harry Anslinger besuchte Nazi-Deutschland, bevor er in den späten 30ern diesen Drogenkrieg in den USA, und in den frühen 50er Jahren auch bei den Vereinten Nationen einführte. Seine Scheinheiligkeit zum Wohle von Pharmazie und Alkohol-Industrie war kaum zu überbieten. Anslinger log auf Kosten der Steuerzahler: Cannabiskonsum führe zu Mord, Suizid, Überfällen, Einbrüchen und Fällen manischen Wahnsinns. Präsident Nixon sah durch diese Substanzen den Staat bedroht: „Darum puschen Kommunisten und Linke dieses Zeugs. Sie wollen uns damit zerstören.“ Die Zahlen aus heutiger Realität in Colorado beweisen das Gegenteil. Gewaltverbrechen sind dort seit der Legalisierung signifikant zurückgegangen…

Werner Pieper (pieper@gruenekraft.com)
Pfingsten 2015

Verbreitung mit Quellenhinweis erwünscht.
In kostenpflichtigen Medien zum jeweils üblichen Zeilenhonorar.

Aktuelle Zitate aus Time Magazine (May 25, 2015); The Guardian (May 23)

Ein Kommentar zu “‚Drogen-Legalisierung‘ ?

  1. Martin

    Lieber Werner Pieper,

    ein prima Text zu einem immer stärker in den Fokus rückenden Diskussionsthema. Gerne würde ich den Artikel „Drogen-Legalisierung?“ auf meinem Blog „realitystream – sex, art, drugs, religion“ (siehe meine Website-Angabe oben) veröffentlichen – natürlich mit Quellenhinweis. Wäre das o.K.?

    Mit herzlichen konspirativen Grüßen
    Martin

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